Solidarität aus dem In- und Ausland

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Solidarität aus dem In- und Ausland (veröffentlicht in der Duisburger Zeitung – Zeitung der LINKEN - Der Standpunkt Nr. 38/09)


Im Folgenden nur eine kleine Auswahl von Mails und Zuschriften aus dem In- und Ausland, die mir bis zum 12.03.09 zugegangen sind. Auszugsweise wiedergegeben werden vor allem Zuschriften von außerhalb der Partei DIE LINKE. Aus der Partei selbst habe ich auch jede Menge solidarische Stellungnahmen erhalten.


Der Duisburger Kreisverband DIE LINKE hat auf seiner Mitgliederversammlung am 11.03. auf meinen Wunsch hin eine Vertrauensabstimmung durchgeführt. Bei nur einer Stimmenthaltung hat sich der Kreisverband klar hinter H. Dierkes gestellt. Er wird deshalb den Fraktionsvorsitz bis zum Ende der Wahlperiode weiterhin wahrnehmen. Ein Antrag, jeglichen Boykott Israels definitiv auszuschließen, wurde bei nur 1 Fürstimme nicht befasst.

Der Applaus während seiner Rede und die Abstimmungsergebnisse machten deutlich: Die überwältigende Mehrheit der Versammelten erachtet es als legitim, Sanktionen gegen einen Krieg führenden Staat wie Israel zu erwägen, selbstverständlich unter Berücksichtung der besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel und des Völkermords an den Juden unter der Naziherrschaft. Die LINKE ist aufgefordert, genau diese Diskussion zu führen und sich zu positionieren.




M.B., Duisburg

„Die Hetzkampagne ( ...) ist so schrecklich: zum einen Ihnen gegenüber, aber dann auch der Menschen in Palästina und auch in Israel wegen. Mir ist unverständlich, wie so viele Menschen hier die Augen verschließen können gegenüber israelischer Politik mit ihren Menschenrechts- und Völkerrechtsverletzungen. Aber immer wieder wird betont, dass es "die einzige Demokratie" in Nahost ist.“

W.M., Duisburg

„Meine solidarische Unterstützung unserer Familie für Dich. Da sieht man mal wieder, was passiert, wenn man in den Sumpf unserer ach so freien Presse gerät und noch schlimmer in den Sumpf von Interessen, wo jeder sein Süppchen kocht.“

B.K., Frauennetzwerk Nahost
„Sie wurden in den letzten Tagen persönlich auf übelste Weise angegriffen, weil Sie etwas gewagt haben zu sagen was längst in anderen europäischen Staaten gefordert wird. Meine Hochachtung für Ihren Mut, lassen Sie sich nicht beirren denn: Unrecht bleibt Unrecht, egal wer es begeht. Israel verstößt seit Jahrzehnten gegen das humanitäre Völkerrecht und das ohne irgendwelche Konsequenzen. Letztlich schadet sich der Staat Israel durch sein Agieren selber sehr viel mehr und ich befürchte das fördert den Antisemitismus ganz besonders. Ich bin besorgt um Israel, es zerstört sich selber.“

M.A., Bonn

„Ich bitte Dich von ganzem Herzen, bleib Fraktionschef. Ich kann Deine Empfindungen gut verstehen, die Dich zum Rücktritt als OB-Kandidat gezwungen haben, war ich doch als Juso-Chef in Dormagen mal selbst Opfer einer Pressekampagne“

James B., Cork/Ireland
“I write to congratulate you on your courage in speaking out on Israel.
All the ordinary citizens of the European Union have a duty to do
what our governments appear too cowardly to do -- exercise real pressure
on Israel to conform to International Law. A boycott is the only means open to us.”

Heinz Eckel, Berlin

„Ich teile Ihre Position, auch wenn ich generell Boykottaufrufen eher kritisch gegenüberstehe, weil sie oftmals auch die Falschen treffen. Aber im Falle Israels scheint es ja von unserer Seite praktisch kein anderes Mittel mehr zu geben, um dessen Regierung und die mehrheitlich dahinter stehende Bevölkerung von ihrem verbrecherischen Kurs des immer weitergehenden Landraubs, der Terrorisierung der palästinensischen Zivilbevölkerung und der gezielten Ermordung politischer Aktivisten abzubringen. Mir selbst hat der jüngste Angriff auf Gaza diesbezüglich erst wirklich die Augen geöffnet - auch ich war bisher zumindest teilweise Opfer der hierzulande herrschenden Medienzensur, von Denk- und Diskussionsverboten und gezielt geschürten Vorurteilen. Ich möchte Ihnen dafür danken, dass Sie dazu beigetragen haben, dieser Form von Gehirnwäsche in aller Öffentlichkeit entgegenzuwirken.“

Tamara Helck, Düsseldorf
„Ich wünsche Ihnen viel Kraft in dieser für sie schweren Zeit (...) Sie sind im Recht. Vergessen Sie das nicht. Die anderen tun Unrechtes.“

Diana J., Paris
Die deutsche Linke lässt darf sich einschüchtern lassen wegen einer Vergangenheit, für die sie nicht verantwortlich ist, sonst versagt sie in ihrer Verantwortung für die Gegenwart. Lassen wir es nicht zu, dass die Wahrheit über Israel und Palästina in die Hände der Rechten fällt.“

A. Nieuwhof, Niederlande
“I want to express my appreciation and respect for the fact that you called for action against Israel's violations of human rights. I know this is sensitive issue in Germany. (I was born in the Netherlands. 80 % of the Jewish Dutch were killed during the Holocaust. So there is also a lot of guilt in the Netherlands).”


L. W. S., Red Cliff, Colorado/USA
Ich bin traurig, dass Sie gezwungen wurden zurückzutreten auf Grund der Verleumdungen und Drohungen und von denen, die Sie gegen die Verleumdung nicht verteidigen konnten. Ich bin einer der vielen Leute weltweit, die wissen, dass Sie kein Antisemit sind. Wir verstehen, dass die Forderung nach Gerechtigkeit Juden nicht verletzt. Ich möchte Ihnen und Ihrer Frau meine uneingeschränkte Sympathie und Unterstützung übermitteln.

Said E., Berlin
„Die Barbarei im Libanon und kürzlich in Gaza kann niemandem entgangen sein!
Du Genosse Hermann, hast ihre Heuchelei aufgedeckt (...) Ich bewundere Dein Mut und hoffe,
dass beim Parteitag am Wochenende das Thema Palästina/Israel doch endlich ausdiskutiert wird und eine deutliche Stellungnahme zur Hegemonialpolitik Israels erfolgen wird.“

P.H., Göppingen
Durch Zufall las ich heute (...) von Deinen politischen Auseinandersetzungen und von deinem Rückzug. Ohne die näheren Einzelheiten zu kennen, halte ich einen Boykottaufruf von Waren aus Israel in Deutschland für problematisch. Da ich Dich aber genügend kenne, weiß ich, dass Du ein überzeugter Antifaschist und schon gar nicht ein Antisemit bist. Außerdem kenne ich Deine zutiefst humane und humanistische Einstellung. Ich ahne nur, dass das nun alles böswillig verdreht wird (...).“

I.H., Duisburg
„Im Nahostkonflikt hat die gesamte Staatengemeinschaft versagt. Wird nun zur eigenen Beruhigung die Kampagne gegen eine Person entfacht? Herr Dierkes ist mir bei Stolpersteinverlegungen, bei Demonstrationen gegen Nazis in Duisburg auf der Strasse begegnet, zum letzten Mal sah ich ihn im Januar dieses Jahres bei der Ausstellungseröffnung über Zwangsarbeit in Duisburg (...) Ihn als Antisemiten zu bezeichnen, weil er die Politik einer israelischen Regierung kritisiert, ist absurd.“

Lothar L., Irland

„Irrsinn - da bringen die 1.300 Menschen um, machen alles platt - und man darf sie nicht boykottieren! Dazu wird hier ganz offen aufgerufen – z.B. akademischer Boykott - und 40 Parlamentarier hatten den Rausschmiss des israelischen Botschafters gefordert. Aber wie ich das so mitkriege, ist die Bevölkerung wahrscheinlich eher auf deiner Seite - die sind doch nicht blöd.“

Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost
Nach Lage der Dinge handelt es sich hier um einen Vorgang, der keineswegs nur als Duisburger Provinz-, sondern als bundesweiter Demokratieskandal bedauert werden muss. Dabei wird Dierkes Position von breiten Teilen der internationalen sozialen Bewegungen - darunter auch unzählige christ- und sogar evangelisch-kirchliche und selbstverständlich viele jüdische Organisationen – getragen. Die internationale Bewegung „Boykott, Desinvestment/Investitionsstopp und Sanktionen (BDS)“ gegen die Politik Israels in den besetzten Gebieten von Palästina und in Gaza ist in den meisten Ländern bereits seit bekannt. Ihre Unterstützung nimmt weltweit zu. (...)
Ahmet A., Bremen
„Ich bedauere deinen Rücktritt sehr und unterstütze deine Forderungen. Ich hoffe trotzdem, dass du dich weiterhin für einen gerechten Frieden und die Meinungsbildung in der Partei kämpfen
wirst. Die Vorwürfe gegen Dich finde ich unerträglich!“

K. C., Esslingen

„Meine Frau und ich haben (...) mit Schrecken verfolgt, welchen Anfeindungen Sie zur Zeit ausgesetzt sind. Wir bedauern es, auch und gerade vor der intensiven Beschäftigung mit dem
Aufstand im Warschauer Ghetto, dessen Akteure häufig Bundisten, Sozialisten und auch Kommunisten waren, dass es heute unmöglich sein soll Israel auch praktisch zu kritisieren.“


R., Oslo

„Der Landesvorstand der Partei Sosialistisk Venstre (SV, Sozialistische Linke), die einen Teil der norwegischen Regierung ausmacht, hat am 18.01.09 die Bevölkerung zu einem Boykott israelischer Waren aufgefordert.( ...) Als Regierungspartei fordert sie jedoch eine Untersuchung, inwieweit Israels Kriegsführung als Kriegsverbrechen anzusehen ist und setzt sich für ein Waffenembargo ein, einschließlich aller militärischen Komponenten, die zur Waffenproduktion benötigt werden. SV fordert außerdem, dass alle Investitionen des norwegischen Ölfonds in israelische Unternehmen zurückgezogen werden und dass der norwegische Staat seine israelischen Staatsobligationen verkauft. Als selbstständige Partei will sich die SV in den Gemeinde- und Bezirksparlamenten dafür einsetzen, dass keine öffentlichen Gelder an Lieferanten gehen, die Israels Besetzung im Gazastreifen unterstützen oder davon profitieren. SV verurteilt Israels Vorgehen als ein Verstoß gegen das Völkerrecht. „Viele Jahre hindurch hat Israel den Palästinensern das Recht auf ein würdiges Leben genommen. Durch ein System der Apartheid, wie man kaum ein schlimmeres in der Welt gesehen hat, werden Palästinenser gedemütigt, schikaniert und bedroht,“ heißt es in der Erklärung des Landesvorstandes.“

S.U., Alfter

„Ich bin kein Unterstützer der Linkspartei, aber der Menschenrechte und des Völkerrechts. Aus diesem Grunde unterstütze ich auch einen Boykott israelischer Agrarprodukte, weil diese häufig auf geraubtem palästinensischem Land und mit geraubtem palästinensischem Wasser erzeugt werden. Außerdem ist ein genereller wirtschaftlicher Druck auf Israel erforderlich, damit es entsprechend den UN-Resolutionen den Palästinensern wenigstens 22 % des ursprünglichen Gesamtpalästinas belässt.“


Karl-Heinz K., Berlin

Daniel Barenboim hat es in der Knesset auf den Punkt gebracht: Israel muss seine ganze Politik ändern. Hat unsere Partei etwa Angst und peilt auf Wählerstimmen? Duckt sie sich etwa, ohne zu erkennen, dass es keinen anderen Weg gibt, auch über einen Warenboykott sämtlicher Güter nicht nur nachzudenken. Es gehört auch zum politischen Geschäft der LINKEN, in solch schwierigen Situationen den Rückwärtsgerichteten die Stirn zu bieten.

MLPD Duisburg
„Wir teilen Deine Kritik an der barbarischen Kriegspolitik der israelischen Regierung gegen das palästinensische Volk. Die Hetze und Kampagne von Seiten bürgerlicher Politiker und Personen gegen Dich als angeblichen Antisemit weisen wir als verlogen und scheinheilig zurück.“

Iris Borchardt-Hefets, Berlin
„Ich möchte mich als Israelin und nicht nur als Jüdin und Mensch bei Ihnen bedanken für Ihren Mut und Ihre Kraft. Leider ist die Lage in Palästina und Israel so schlimm, dass wir diesen Boykott fortsetzen müssen.“

D.S., Oberhausen
„Ein bekannter und bekennender Antifaschist wird mit dem braunen Sumpf verglichen. (...) Glaub mir, das wurde und wird sehr intensiv im Betrieb diskutiert, eine große Mehrheit in Betriebsrat und Belegschaft ist über den Vorgang empört. Genau genommen ist das Rufmord!“

Socialist Worker Students University of Essex
“Herewith we would like to show our direct support for your actions of calling for an Israeli boycott and the condemnation of the Israeli slaughter in Gaza (…) On January 16th we occupied our lecture building in solidarity with the Palestinian people for a week and won 3 out of 5 demands. We were the third university to go into occupation over Gaza an the Palestinian cause. Now there are 29 universities which have gone into occupation over the course of the year. Since then we have won the vote within the Students’ Unions across the country to boycott all Israeli products from the shops on our campuses (…).”

Dr. H.R., Mettingen
„Dir antisemitische Tendenzen zu unterstellen ist entweder Resultat von intellektueller Unfähigkeit, sich mit Deinen Aussagen, vor allem aber mit Deinem politischen Wirken differenziert zu befassen, oder aber, falls es mit Absicht geschieht, ein Zeichen großer Böswilligkeit. (...) Es muss erlaubt sein, sich kritisch mit der Politik – oder mit Teilen von ihr – eines befreundeten Staates auseinanderzusetzen, auch wenn es Israel ist mit der durch die Geschichte gegebenen besonderen Beziehung zu Deutschland. Mit dem Antisemitismushammer politisch auszuteilen, verwässert die Gefahr des Antisemitismus. Darin sehe ich als Geschichtslehrer in unserem Land, in dem es noch viel zu viele braune Flecken gibt, besonders im Jugendsektor, eine Gefahr und eine Torpedierung der mühevollen Arbeit in der Schule.“

Vorstand der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft
„Das was Sie gesagt haben, ist unserer Meinung nach eine realpolitische und menschenwürdige Haltung. Was sie verlangen, wird anderswo auf der Welt praktiziert oder mit militärischer Gewalt durchgesetzt. Warum denn diese Sonderbehandlung des Staates Israel? (...) Das Tolerieren eines solchen Vorgehens kommt einer Mitschuld gleich und dient auch Israel selbst nicht (...) Sie haben Zivilcourage und Anstand in hohem Masse gezeigt.“

W.Ü., Halle/Westfalen

„Soeben habe ich auf steinbergrecherche.com von der Hetze gegen Sie wegen Ihrer Unterstützung des Boykotts Israels gelesen und will Ihnen hiermit meine hohe Anerkennung aussprechen. (...) Die Anfeindungen (gegen Sie) verstehe ich als Ausdruck der Entwertung des palästinensichen Volkes und der islamischen Kultur und Geschichte im allgemeinen und der Verfälschung der jüdischen Kultur, wie dies Rolf Verleger besonders deutlich hervorhebt.“

Attac Duisburg

Wir kennen Hermann Dierkes als einen der aufrechtesten und profiliertesten Streiter in Duisburg für die Menschenrechte und gegen Faschismus und Rassismus jedweder Couleur. Ausgerechnet ihm mit dem Vorwurf des Rassismus und Antisemitismus zu begegnen, ist völlig unannehmbar.“

Rainer Zimmermann, Chefredakteur Radio Duisburg in der Sendung Wochenrückblick am 27.02.09

„ ... aber selbst das verblasst gegen die politische Hetzjagd, der sich Hermann Dierkes ausgesetzt sieht. Und warum? Weil der Ratsherr der LINKEN doch tatsächlich laut überlegt hat, ob man angesichts der Gräueltaten im Gaza-Krieg vielleicht mal darauf verzichten sollte, Produkte aus Israel zu kaufen. Das mag angesichts der deutschen Geschichte nicht sonderlich klug gewesen sein, dieses seriöse und eher nachdenkliche Kind der Arbeiter- und Umweltbewegung deshalb aber nun bundesweit als notorischen Antisemiten zu beleidigen, wie es z.B. Sprecher der deutsch-israelischen Gesellschaft fast im Minutentakt tun, ist eine absolute Frechheit und sicherlich politisch motiviert.“

D. W.

„Ich bin wahrhaftig kein Antisemit. In der Erziehung meiner drei Kinder spielte der Holocaust immer eine wichtige Rolle. Persönliche Berichte von Ärzten, die beim letzten Krieg in Gaza gearbeitet haben, haben mich sehr betroffen gemacht. Ich persönlich werde israelische Waren boykottieren. Es ist auch mein legitimes Recht, so meine Stimme zu erheben.“

P.H. R., Berlin
„Die Mehrheit schwiegt, denkt aber israelkritisch. Natürlich gibt es darunter auch Antisemiten. Ich bin Südamerikaner und in meinem Bekanntenkreis (Latinos) befürworten viele einen Boykott gegen Israel.“